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Ratgeber · Predigt

Wie bereite ich eine Andacht vor?

Von Johannes Reinhard · veröffentlicht am

Wählen Sie ein einziges Bibelwort und formulieren Sie in einem Satz, was davon hängen bleiben soll. Bauen Sie darum einen schlichten Ablauf: Eröffnung, Lied oder Psalm, Lesung, ein Impuls von drei bis fünf Minuten, Gebet und Segen. So reichen dreißig Minuten Vorbereitung. Eine Andacht ist keine verkürzte Predigt, sondern eine kleine Feier.

Was unterscheidet eine Andacht von einer Predigt?

Eine Andacht ist eine kurze gottesdienstliche Feier, keine Predigt im Kleinformat. Sie dauert meist zehn bis zwanzig Minuten, findet oft außerhalb des Sonntagsgottesdienstes statt und lebt stärker von Gebet, Lied und Stille als vom gesprochenen Wort. Die Ansprache darin, oft Impuls genannt, ist ein Element unter mehreren. Sie legt keinen Predigttext aus, sondern stellt ein Wort in den Raum und lässt es wirken. Wer eine Andacht wie eine Predigt vorbereitet, hält am Ende eine Predigt mit zu wenig Zeit. Wer sie als Feier versteht, fragt zuerst: Was sollen die Menschen in diesen Minuten erleben, und welcher eine Gedanke darf sie dabei begleiten?

Daraus folgt eine Entlastung. Exegese, Dramaturgie und ein ausgefeilter Schluss, die für die Sonntagspredigt wichtig sind, schrumpfen bei der Andacht auf wenig zusammen. Was bleibt, ist der Kern jeder guten Verkündigung: eine Botschaft in einem Satz und ein Bezug zum Leben der Anwesenden. Wer eine Andacht leiten darf, regeln die Kirchen unterschiedlich. Im evangelischen Bereich halten auch Ehrenamtliche Andachten, ohne ordiniert zu sein. Im katholischen Bereich sind Andachten eine alte Form, die vielerorts auch Ehrenamtliche leiten. Einzelne Formen haben eigene Regeln: Das Allerheiligste auszusetzen und den eucharistischen Segen zu erteilen, ist nach can. 943 CIC Aufgabe des Priesters oder Diakons. Beauftragte dürfen unter besonderen Umständen nur aussetzen und einsetzen, ohne Segen. Im Zweifel fragen Sie im Pfarramt oder im Bistum nach.

Wie ist eine Andacht aufgebaut?

Bewährt hat sich ein Ablauf in sechs Teilen, der für fast jeden Anlass passt. Die Minutenangaben gelten für eine Andacht von etwa fünfzehn Minuten und sind Richtwerte, keine Vorschrift. Entscheidend ist, dass die Teile aufeinander bezogen sind: Lied, Lesung, Impuls und Gebet kreisen um dasselbe Wort. Dann wirkt die Andacht wie aus einem Guss, auch wenn sie in einer halben Stunde vorbereitet wurde. Wer neu in einem Kreis ist, fragt am besten vorher, was dort üblich ist, etwa ob gesungen wird und ob es ein Liederbuch gibt.

Katholische Gemeinden in Deutschland und Österreich finden im Gotteslob von 2013 ab Nr. 672 einen eigenen Teil „Andachten“ mit Eröffnungen und Andachtsabschnitten, aus denen sich eine Andacht zusammenstellen lässt, samt Vorschlägen etwa für den Advent. Im evangelischen Bereich bieten Gesangbuch und Agenden Psalmen und Gebete. Wer keinen Text vorgegeben hat, greift oft zu den Herrnhuter Losungen. Sie erscheinen seit 1731 jedes Jahr und enthalten für jeden Tag ein ausgelostes Wort aus dem Alten Testament und einen dazu ausgewählten Lehrtext aus dem Neuen Testament.

  • Eröffnung (1 Minute): Votum oder Begrüßung, etwa „Wir feiern diese Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
  • Lied oder Psalm (3 Minuten): gesungen oder im Wechsel gesprochen.
  • Lesung (1 bis 2 Minuten): ein kurzer Bibelabschnitt, am besten nur wenige Verse.
  • Impuls (3 bis 5 Minuten): ein Gedanke zum Bibelwort, verbunden mit dem Leben der Anwesenden.
  • Stille und Gebet (3 Minuten): eine halbe Minute Stille, ein Gebet oder Fürbitten, das Vaterunser.
  • Segen (1 Minute): zugesprochen oder als Bitte für alle formuliert, etwa „Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott.“

Wie bereiten Sie eine Andacht in 30 Minuten vor?

Die Vorbereitung folgt derselben Reihenfolge wie bei einer Predigt, nur kleiner: erst hören, dann entscheiden, dann bauen. Wer diese Schritte vermischt, sitzt auch bei einer Andacht lange vor einem leeren Blatt. Planen Sie die halbe Stunde fest ein, am besten ein paar Tage vorher. Dann kann der Gedanke nachreifen, und am Tag selbst müssen Sie nur noch Lieder und Gebet zusammenstellen. Die Zeiten sind Erfahrungswerte, die Reihenfolge ist das Entscheidende.

Der Kernsatz ist auch hier das Wichtigste. Zu Matthäus 11,28 („Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“, Luther 1912) könnte er lauten: „Sie müssen heute Abend nichts mehr leisten, um bei Gott willkommen zu sein.“ Das ist eine Aussage, die man in einem Atemzug sagen kann. Eine Andacht mit diesem einen Satz und einer Brücke zum Abend der Anwesenden ist vollständig. Ausführlicher beschreibt der Ratgeber „Wie bereite ich eine Predigt vor?“ die drei Schritte.

  • 5 Minuten: das Bibelwort oder die Tageslosung zweimal halblaut lesen und notieren, was daran hängen bleibt oder stört.
  • 10 Minuten: den einen Satz formulieren, den die Anwesenden mitnehmen sollen, als Aussage mit Subjekt und Verb.
  • 10 Minuten: an die Menschen denken, die kommen, und eine Lebenslage notieren, in der dieser Satz für sie wahr wird.
  • 5 Minuten: Lied, Gebet und Segen passend zum Satz auswählen und drei Stichpunkte für den Impuls notieren.

Wie beginnt man eine Andacht?

Nach Eröffnung und Lesung gehört der erste Satz des Impulses ganz der Sache. Verzichten Sie auf Ankündigungen wie „Ich möchte heute ein paar Gedanken mit Ihnen teilen“. Beginnen Sie konkret, mit einer Szene, einer Frage oder einem Moment aus der Woche der Anwesenden. Die Formen sind dieselben wie bei der Predigt, nur knapper: Ein, zwei Sätze Einstieg genügen, dann folgt der Gedanke. Die folgenden Beispiele zeigen, wie das in verschiedenen Kreisen klingen kann.

Allen Beispielen ist gemeinsam, dass sie die Anwesenden ansprechen, bevor sie etwas erklären. Prüfen Sie Ihren Einstieg mit einer einfachen Frage: Könnte dieser Satz vor jeder beliebigen Andacht stehen? Dann ist er noch zu allgemein. Ein guter Einstieg passt nur zu diesem Wort und diesem Kreis. Weitere Formen und die typischen Fehler am Anfang beschreibt der Ratgeber „Wie beginnt man eine Predigt?“.

  • Vor der Sitzung von Kirchenvorstand oder Pfarrgemeinderat: „Auf der Tagesordnung stehen heute elf Punkte. Bevor wir mit dem ersten anfangen, hören wir auf ein Wort, das auf keiner Tagesordnung steht.“
  • Im Seniorenkreis: „Wer von Ihnen hat schon einmal einen Brief geschrieben, der nie abgeschickt wurde?“
  • In der Schule: „Heute Morgen sind ein paar hundert Menschen durch diese Tür gegangen. Einige von euch hatten keine Lust. Das ist erlaubt.“
  • Im Advent, nach Psalm 24,7 („Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!“, Luther 1912): „Welche Tür in Ihrem Leben klemmt gerade?“

Welche Andacht passt zu welchem Anlass?

Der Anlass bestimmt mehr als das Thema. Eine Andacht vor einer Gremiensitzung dauert selten länger als fünf bis zehn Minuten und soll die Anwesenden sammeln, nicht belehren. Ein Wort über Hören, Geduld oder gemeinsam getragene Verantwortung passt besser als eine Mahnung zur Tagesordnung. Nutzen Sie die Andacht nie als Vorlage für einen strittigen Punkt. Wer am Anfang durch die Blume Position bezieht, beschädigt das Vertrauen in beides, in die Andacht und in die Sitzung.

Im Seniorenkreis darf es ruhiger und etwas länger sein. Viele Ältere kennen Lieder und Psalmen auswendig, das trägt mehr als jeder neue Text. Sprechen Sie langsam, deutlich und in kurzen Sätzen, und lassen Sie Raum für Erinnerung. In der Schule ist es umgekehrt: Die Zeit ist knapp, die Gruppe gemischt, viele haben keinen kirchlichen Hintergrund. Ein Bild, eine Frage und ein Segenswunsch genügen. Achten Sie auf die Absprachen mit der Schule und darauf, dass niemand zum Mitbeten gedrängt wird.

Im Advent bilden Andachten oft eine Reihe, etwa an jedem Adventssonntag oder an einzelnen Abenden im Gemeindehaus. Hier hilft es, die Reihe vorab als Ganzes zu planen: vier Wochen, vier Kernsätze, ein gemeinsames Bild wie die Tür, das Licht oder das Warten. Dann müssen Sie nicht jede Woche neu anfangen, und die Anwesenden erleben einen Weg statt einzelner Stationen. Ein Adventsabschnitt der Andacht kann bewusst schlicht bleiben, weil die Lieder dieser Wochen schon viel sagen.

Darf man eine fertige Andacht vorlesen?

Fertige Andachten zum Ausdrucken gibt es in Andachtsbüchern, Arbeitshilfen und im Netz. Als Notbehelf sind sie legitim, etwa wenn jemand kurzfristig einspringen muss. Nennen Sie die Quelle, wenn Sie einen fremden Text vortragen. Der Nachteil liegt woanders: Ein fertiger Text spricht zu Menschen, die sein Verfasser nie gesehen hat. Die Anwesenden merken, ob jemand mit ihnen redet oder einen Text abliest, der für alle und damit für niemanden geschrieben ist.

Besser ist es, eine fertige Andacht als Steinbruch zu nutzen. Übernehmen Sie das Bibelwort, ein Gebet oder ein Bild, das Sie anspricht, und schreiben Sie den Impuls selbst, mit einem eigenen Kernsatz und einem Bezug zu genau diesem Kreis. Das kostet zehn Minuten mehr und macht aus einer Vorlage Ihre Andacht. Dasselbe gilt für eigene alte Andachten. Legen Sie einen Ordner an mit Einstiegen, Gebeten und Liedern, die getragen haben. Wer oft Andachten hält, spart damit mehr Zeit als mit jedem fremden Text.

Wie lang darf eine Andacht sein, und wie endet sie?

Eine feste Länge gibt es nicht. Als Faustregel gelten zehn bis zwanzig Minuten für die ganze Andacht und drei bis fünf Minuten für den Impuls, vor Sitzungen eher weniger. Sprechen Sie den Impuls einmal laut mit der Stoppuhr. Die meisten stellen fest, dass er länger ist als gedacht. Was beim Sprechen langatmig wirkt, streichen Sie. Warum die gefühlte Länge mehr von der Klarheit als von der Uhr abhängt, zeigt der Ratgeber „Wie lange sollte eine Predigt dauern?“.

Der Impuls endet nicht mit einer Zusammenfassung, sondern mit einem Satz, der ins Gebet überleitet: „Was uns heute beschäftigt, bringen wir jetzt vor Gott.“ Danach trägt die Liturgie. Planen Sie die Stille bewusst ein, eine halbe Minute reicht. Sie wirkt länger, als sie ist, und gibt dem einen Satz Raum, der hängen bleiben soll. Am Schluss steht der Segen. Wer ihn ruhig spricht und danach einen Moment wartet, entlässt die Menschen nicht in die Tagesordnung, sondern mit einem Wort, das ihnen gilt.

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Quellen